Reifenpannen-Mythen – Realitätscheck und funktionierende Tipps

Ein Nagel auf der Strasse, ein harter Kontakt mit der Bordsteinkante und das befürchtete Zischgeräusch im Reifen – der Albtraum eines Autofahrers. Um hilfreiche Mittel bei Reifenpannen ranken sich vielerlei Mythen. Sie reichen von Produkten wie Reifendichtmittel über Notlaufreifen bis hin zum Felgenschutz und sind häufig kaum mehr als eine Legende. Der folgende Faktencheck informiert dich über Sinn und Unsinn der diversen Schutzmöglichkeiten.

Mythos 1: Reifendichtmittel als Wunderwaffe?

Die gängigen Beschreibungen zum Reifendichtmittel klingen zu schön, um wahr zu sein. Dein Reifen ist platt, du machst die Dose auf, füllst Schaum in den Reifen und fährst weiter, als sei nichts gewesen. Nicht ganz, das gilt lediglich für eher geringfügige Schäden bei Reifenpannen und eindeutig nur kurzfristig. Solltest du dir beispielsweise eine kleine Schraube oder einen kleinen Nagel in den Reifen gefahren haben, kann der Schaum das Loch für eine kleine Weile verschliessen. Dein Ziel sollte hier maximal das Ansteuern der nächsten Werkstatt sein.

LNotubes Tire Sealantöcher, die deutlich grösser sind als wenige Millimeter (maximal 4-5 Millimeter), lassen sich mit einem Reifendichtmittel nicht beheben. Gleiches gilt für entsprechende Schäden an der Seitenwand deines Reifens. Hier bist du mit dem Abschleppdienst deines Vertrauens beziehungsweise einem Reifenwechsel vor Ort besser beraten.

Bedenke zudem, dass die Haltbarkeit von Reifendichtmitteln begrenzt ist. Nicht zuletzt deshalb kann und darf die Verwendung nie mehr als eine kurzfristige Lösung für den Notfall sein.

Wichtig zu wissen: Das Dichtmittel besteht aus Latex in Verbindung mit Treibgas. Bei der Verwendung entsteht im Inneren deines Reifens eine Art klebrige Masse, die Schäden verursacht. In der Werkstatt wird dir üblicherweise mitgeteilt, dass der Reifen nicht mehr zu retten ist und du einen neuen brauchen wirst.

Mythos 2: Notlaufreifen – Superhelden fürs Auto?

Notlaufreifen gelten als Innovation und Hightech-Lösung gegen den Verlust von Luft in deinem Reifen. Sie sind auch unter dem Begriff RunFlat bekannt und sorgen dafür, dass dein Auto selbst dann noch fährt, wenn bei Reifenpannen die Reifen platt sind. Stell dir eine solche Situation auf der Autobahn vor. Du kannst mit einem vollständig platten Reifen bei geringerer Geschwindigkeit noch bis zur nächsten Werkstatt fahren und musst ihn nicht selbst unterwegs wechseln.

Reifenpannen-Mythen - RunFlat-ReifenNur Vorteile kann es natürlich leider nicht geben. RunFlats sind mit einigen Nachteilen verbunden, die die Annehmlichkeiten deutlich dämpfen. Als Hauptproblem gelten Einschränkungen beim Fahrkomfort. Die Dämpfung ist merklich geringer und auch die Geräuschentwicklung ist um einiges höher im Vergleich zu regulären Reifen. Die verstärkten Seitenwände deiner Reifen machen das gesamte Fahrgefühl härter. Viele Nutzer gewöhnen sich nicht daran, vor allem nicht bei Unebenheiten auf der Strecke.

Auch die Kosten sind für die Anschaffung von Notlaufreifen hochpreisiger verglichen mit regulären Reifen. Zudem können Beschädigungen dazu führen, dass eine Reparatur nicht möglich ist und du deine Reifen gegebenenfalls vollständig neu kaufen musst. Sollte eine Reparatur möglich sein, musst du zunächst eine Werkstatt finden, die das auch anbietet. Nicht immer ist eine entsprechende Ausstattung für diesen speziellen Reifentypus vorhanden.

Mythos 3: Felgenschutz – Modeerscheinung oder sinnvoll?

Mit einem Felgenschutz in Form kleiner Gummilippen am Rand deines Reifens stellst du sicher, dass deine Felgen beim Kontakt mit Hindernissen oder Bordsteinen keinen nennenswerten Schaden davontragen. Kratzer und auch Abschürfungserscheinungen werden vermieden – ein wirkliches Plus, wenn du ein Fahrzeug mit empfindlichen Leichtmetallfelgen hast. Die Lebensdauer deiner Felgen soll mit dieser Option verlängert werden, ein Zerkratzen der Vergangenheit angehören.

Die Frage bleibt, wie umfassend dieser Schutz tatsächlich ist und demnach, wie lohnenswert eine Anschaffung für deine Felgen ist. Um es gleich zu sagen: Es bringt nur wenig, mehr als kleine Stösse können faktisch nicht abgefangen werden. «Klein» bedeutet hier beispielsweise das Entlangschrappen am Bordstein beim Einparken. Hier kannst du in der Regel sicher sein, dass keine Kratzer zu befürchten sind. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn du mit mehr Schwung gegen den Bordstein bretterst. Hier bietet die Gummilippe keinen wirklichen Schutz mehr.

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  • Wenn dir ein Mini-Schutz für Unachtsamkeiten reicht, ist der Felgenschutz etwas für dich. Er sorgt auch dafür, dass sich kein grösserer Schmutz zwischen Felge und Reifen festsetzt. Dekorativ ist er meist auch und kleine Dellen lassen sich gut vermeiden. Ein Wundermittel darfst du jedoch nicht erwarten – mit dem nötigen Schwung kannst du deine Felgen auch weiterhin ruinieren.

    Kein Mythos: Was wirklich hilft – die Kontrolle des Luftdrucks

    Bei allen Vorsichtsmassnahmen sollte klar sein: Nicht alle Reifenpannen lassen sich vermeiden. Wenn du über einen spitzen Nagel fährst, dann ist das bei den besten Vorsichtsmassnahmen einfach Pech. Du kannst auch bei einer Top-Reifenpflege nicht verhindern, dass irgendwelche spitzen Gegenstände auf deiner Fahrbahn liegen. Allerdings kannst du selbst etwas tun, um deine Reifen top in Schuss zu halten und damit das Risiko für Pannen wesentlich verringern. Nachlässigkeit zählt immer noch zu den wichtigsten Faktoren, die Reifenpannen begünstigen.

    CloseUp vom ReifenDas Herzstück der Vorsorge ist und bleibt die Regelmässigkeit von Reifenkontrollen. Prüfe unbedingt den Luftdruck und ebenso die Profiltiefe. Wenn der Luftdruck in deinen Reifen zu niedrig ist, werden sie automatisch erheblich anfälliger für Schäden. Du hast dann Schlaglöchern oder auch Bordsteinen nicht viel entgegenzusetzen.

    Besonders hilfreich sind Fahrzeuge, die ein integriertes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) besitzen. Hier wirst du direkt informiert, wenn der Druck sinkt. Henry Ford hat schon in den 1920er-Jahren seinen Kunden gepredigt, sie sollten unbedingt in regelmässigen Abständen den Reifendruck prüfen. Heute sind die Zeiten der Handpumpe zum Glück vorbei und die Prüfmöglichkeiten automatisiert.

    Bedenke auch den Einfluss von Jahreszeiten und Temperatur: Im Winter muss der Luftdruck etwas höher, im Sommer etwas niedriger sein.

    Fazit: Reifenpannen-Mythen

    Mythen rund um Reifenpannen sind so alt wie die Erfindung des Reifens. Meist liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Manche Optionen bieten einen kleinen Schutz, aber keinen so grossen, wie die Werbung häufig zu versprechen scheint. Kurzum: Reifendichtmittel bieten dir bei kleinen Defekten kurzfristigen Schutz, verhindern aber nicht, dass du gegebenenfalls einen neuen Reifen brauchst. Notlaufreifen gewähren dir Sicherheit, wirken sich aber auf den Fahrkomfort aus. Und der Felgenschutz ist «nice to have», aber in seiner Schutzfunktion deutlich begrenzt.

    Gepflegte Reifen mit regelmässigen Kontrollen von Luftdruck und Profil bieten dir langfristig am meisten – vor allem die nötige Sicherheit. Das gilt zumindest für den Teil, den du selbst beeinflussen kannst.

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