3D-Druck in der Autoindustrie: Vom Plastikspielzeug zum Serienbauteil

3D-Druck beim Auto klingt zunächst nach Bastelkeller, ist in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller aber längst so normal wie der Kaffeeautomat. Immer mehr Teile entstehen nicht an der Fräsmaschine, sondern Schicht für Schicht im Pulver- oder Filamentbett. Doch wie viel davon landet wirklich im Auto, das du beim Händler siehst und was ist noch Zukunftsmusik?

Vom schnellen Prototypen zur gedruckten Serienhalterung

Früher stand im Designstudio ein Tonmodell in Originalgrösse, das wochenlang von Hand bearbeitet wurde. Heute schicken Entwickler stattdessen CAD-Daten an den Drucker und halten Stunden später ein greifbares Teil in der Hand. Beim 3D-Druck Auto geht es im Alltag vor allem um Prototypen, Lehren, Werkzeuge und Vorrichtungen. Sie alle tragen dazu bei, dass die Entwicklung schneller vorankommt.

BMWBMW zählt zu den Vorreitern beim 3D-Druck Auto. In nur zehn Jahren entstanden rund eine Million Teile, vom unscheinbaren Prototyp bis zum Bauteil im Serienfahrzeug. Allein innerhalb eines Jahres kamen über 200.000 neue hinzu. Was früher nach Experimentierlabor klang, ist heute ganz normale Produktionsroutine. Ein schönes Beispiel ist der i8 Roadster. Dort sitzt eine metallische Dachhalterung aus dem 3D-Drucker im Serienfahrzeug. Das Teil ist leichter als das konventionelle Bauteil und gleichzeitig steifer. Die komplexe Form wäre mit klassischer Fertigung kaum machbar. Wenn du also einmal neben einem i8 Roadster parkierst, schaust du auf so etwas wie einen rollenden 3D-Druck-Showcase.

Beim 3D-Druck am Auto geht es aber nicht nur um Personenwagen. Auch in Lieferwagen, Bussen, Nutzfahrzeugen und Spezialmodellen stecken gedruckte Teile. Sie sind besonders dann sinnvoll, wenn geringe Stückzahlen, individuelle Varianten, kurze Lieferzeiten oder flexible Anpassungen gefragt sind.

Vater, Sohn und der selbstgedruckte «Lamborghini»

In den USA hat ein Physiker zusammen mit seinem Sohn beschlossen, sich ihren Traumwagen einfach selbst zu drucken. Die Idee entstand beim Zocken eines Rennspiels, der Sohn verliebte sich in einen Lamborghini Aventador und der Vater sagte sinngemäss: «Dann drucken wir uns eben einen.» Mit mehreren 3D-Druckern aus dem Hobbykeller entstanden Karosserieteile in vielen Segmenten, die später auf ein selbst aufgebautes Fahrgestell kamen. Unter der Hülle steckt kein V12, sondern ein V8 aus einer Corvette, aber das Projekt fährt und sorgt für jede Menge Aufmerksamkeit. Die Geschichte machte so viele Schlagzeilen, dass Lamborghini irgendwann mit einem echten Aventador vor der Garage auftauchte, als Leihgabe.

Wenn Serienteile aus dem Pulver wachsen

3D-Druck in der Autoindustrie - 911 gt2Besonders spannend wird es, wenn der Drucker nicht nur Prototypen ausspuckt, sondern Serienteile. Porsche hat für den 911 GT2 RS 3D-gedruckte Kolben entwickelt und im Motor erfolgreich getestet, in Serienfahrzeugen kommen sie aber bisher nicht zum Einsatz. Die Aluminiumkolben sind etwa zehn Prozent leichter als die geschmiedete Variante, halten dank integrierter Kühlkanäle niedrigere Temperaturen aus und ermöglichen eine höhere Drehzahl, was dem Motor spürbar mehr Leistung bringt. Das ist 3D-Druck auf dem Level von Renntechnik.

Daimler Buses geht einen anderen Weg. Statt exotischer Hochleistungsteile setzt der Konzern auf Ersatzteile aus dem Drucker. Tausende Komponenten wurden bereits additiv gefertigt und ein grosser Teil des Ersatzteilkatalogs ist für die Produktion per 3D-Druck vorgesehen. Busbetreiber können sich über das OMNIplus Portal sogar Lizenzen sichern und bestimmte Teile bei zertifizierten Partnern direkt vor Ort drucken lassen. Das spart Lagerkosten, Transportwege und Zeit. Der Bus steht kürzer in der Werkstatt und länger auf der Linie.

Die Autoindustrie setzt heute sehr stark auf 3D-Druck, aber oft unsichtbar für dich als Fahrerin oder Fahrer. Prototypen, Vorrichtungen, kleine Serienteile und Ersatzteile profitieren am meisten. Ganze Karosserien aus dem Drucker sind dagegen weiterhin Marketingbilder, keine Alltagstechnik.

Strati – Das Messeauto aus dem Druckbett

3d printed car in Boston
Strati

Das Elektroauto Strati des Start-ups Local Motors war so etwas wie der grosse Showact der frühen 3D-Druck-Szene. Auf einer Messe liess das Unternehmen ein kleines Stadtauto direkt vor Publikum entstehen. Zuerst druckte ein grosser Industriedrucker Chassis und Karosserie in einem Stück, danach wurden die Flächen gefräst, Technik eingebaut und das Ganze fahrbereit gemacht. Vom ersten Druck bis zur Probefahrt vergingen nur wenige Dutzend Stunden. Der Strati ist kein Massenmodell geworden, aber er zeigte sehr eindrücklich, was passiert, wenn du 3D-Druck beim Auto mehr als Experiment verstehst und daraus ein rollendes Demonstrationsobjekt machst.

Wo stehen wir wirklich – und was ist Hype?

Wie weit ist der 3D-Druck beim Auto nun? Im Alltag der Hersteller ist die Technik unverzichtbar. Entwicklungszyklen werden kürzer, weil Prototypen und Sonderteile über Nacht entstehen. Für Serienteile hat sich der 3D-Druck in Nischen etabliert, in denen Leichtbau, komplexe Geometrien, spezielle Materialien oder sehr kleine Stückzahlen wichtig sind. Das reicht vom Dachhalter im Plug-in-Sportwagen bis zum Ersatzteil im Stadtbus.

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  • Dein eigenes Alltagsauto wird allerdings noch längere Zeit grösstenteils mit klassischen Methoden gefertigt. Presswerke, Giessereien und riesige Spritzgussanlagen bleiben billiger, solange hunderttausende Fahrzeuge vom Band rollen. Kritiker erinnern ausserdem an Themen wie Qualitätssicherung, Normen, Produkthaftung und Cybersecurity. Wenn ein Teil aus der Cloud kommt, braucht es klare Regeln, wer für was verantwortlich ist.

    Trotzdem spricht vieles dafür, dass der 3D-Druck fürs Auto weiter an Bedeutung gewinnt. Ersatzteile für ältere Modelle, individualisierte Innenraumkomponenten, Halter für Sensorik im Elektroauto und leichte Strukturteile im Fahrwerk sind typische Einsatzfelder, überall dort, wo Flexibilität und Gewichtsersparnis zählen, hat die Technik einen Vorsprung.

    Goldener Mini-Stromer aus dem 3D-Drucker

    Goldenes AutoIn China sorgte ein kleines Elektroauto mit grossem Auftritt für Schlagzeilen. Ein Hersteller baute einen kompakten Stromer, dessen Karosserie weitgehend aus dem 3D-Drucker kam, und verpasste ihm eine knallige, goldene Optik. Technisch ist das Fahrzeug eher bescheiden unterwegs, die Geschwindigkeit liegt im Bereich eines flotten E-Bikes, dafür zieht es als rollendes Statement alle Blicke auf sich. Das Konzept zeigt, wie fliessend die Grenze zwischen Designobjekt, Stadtfahrzeug und Marketinggag sein kann. 3D-Druck fürs Auto wird hier nicht genutzt, um Rundenrekorde zu brechen, sondern um ein aufmerksamkeitsstarkes Unikat zu schaffen, das aussieht wie ein überdimensioniertes Spielzeug auf vier Rädern.

    3D-Druck Auto – vom Gimmick zum Werkzeugkasten der Industrie

    Im Fazit ergibt sich ein gemischtes, aber spannendes Bild. Der 3D-Druck Auto war einmal eine Spielwiese für Bastler und Forschungsabteilungen. Heute ist er ein fester Bestandteil der Wertschöpfungskette, vor allem in Entwicklung, Prototypenbau und Ersatzteilgeschäft. Marken wie BMW, Porsche und Daimler Buses zeigen, dass sich sogar Hochleistungsteile und sicherheitsrelevante Komponenten mit additiven Verfahren herstellen lassen, wenn Qualität und Prozesse stimmen.

    Du wirst in den nächsten Jahren kaum ein komplett gedrucktes Serienauto kaufen. Aber du sitzt vielleicht schon jetzt auf einem Sitz, unter dem eine gedruckte Halterung steckt. Oder du fährst in einem Bus, dessen Innenraumteil erst vor wenigen Tagen auf einem 3D-Drucker entstanden ist. Der grosse Charme liegt in der Freiheit. Teile müssen nicht mehr für die Maschine entworfen werden, sondern für ihre Funktion.

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